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Historie: Entwässerung der Graftanlagen

Bild: Stadt

Im Januar 2011 wurde der Förderbetrieb zur Entnahme von Grundwasser für die Trinkwasserversorgung im Wasserwerk An den Graften von den Stadtwerken Delmenhorst (SWD) eingestellt. Das Werk wurde nach über 100 Jahren vom Wasserwerk in Annenheide abgelöst. Eine Genehmigung der Stadt zum Abstellen war dafür nicht notwendig, da lediglich eine Aufnahme der Wasserförderung erlaubnispflichtig ist. Die Trinkwassergewinnung liegt in der Zuständigkeit der SWD. Hierüber hatte und konnte die Stadt nicht entscheiden.

In Verbindung mit erheblichen Regenfällen stieg der Grundwasserpegel im Bereich der Graftanlagen und der sich anschließenden Wiekhorner Wiesen stark an. Dies führte zu einer Vernässung der Gebiete. Eine Entwässerung über Grabensysteme war nicht möglich, da der Wasserspiegel der Kleinen Delme/Delme höher liegt als die tiefen Geländeflächen. Ein natürliches Gefälle ist in diesem Bereich nicht vorhanden.

Ende Mai 2011 beobachtete die Stadt erstmals eine Beeinträchtigung der Bäume in dem Gebiet. Ein Baumgutachten wurde daraufhin in Auftrag gegeben. Parallel dazu wurden bereits verschiedene technische Möglichkeiten der Graftentwässerung mit verschiedenen Fachfirmen besprochen.

Der Ausschuss für Planen, Bauen, Umweltschutz, Landwirtschaft und Verkehr beauftragte die Verwaltung am 23. August 2011, ein Oberflächenentwicklungskonzept zu entwerfen. Dieses wurde dem Verwaltungsausschuss am 7. September 2011 und dem Rat der Stadt in einer Sondersitzung am 8. September 2011 vorgestellt. Der Rat beauftragte die Verwaltung unter anderem damit, eine Wiederaufnahme der Wasserförderung zu prüfen und ein Entwässerungskonzept aufzustellen.

Oberbürgermeister Patrick de La Lanne forderte die SWD im Auftrag des Rates auf, unverzüglich Auskunft über den gesamten Vorgang, der zur Abschaltung des Wasserwerks gehört, zu erteilen und Einsicht in alle Vorgänge, Unterlagen und auch Gutachten zu geben. Im Vorfeld der Sonder-Ratssitzung am 8. September 2011 war dem Oberbürgermeister ein Auszug aus einem möglichen Gutachten übergeben worden, das im Jahr 2003/2004 im Auftrag der SWD erstellt wurde. Der Stadt war diese Expertise bis dato unbekannt.

Aufgrund des Ratsbeschlusses prüfte die Verwaltung alle Möglichkeiten für eine kurzfristige Entwässerung der Graft. Die Prüfung ergab, dass allein die Wiederinbetriebnahme des Wasserwerks An den Graften zur kurzfristigen Verbesserung des Grundwasserpegels führen kann. Die SWD musste dazu einen entsprechenden Antrag stellen. Die Stadt als Untere Wasserbehörde sagte dessen unverzügliche Genehmigungsfähigkeit zu.

Nachdem ein formloser Antrag der Stadtwerke am 20. September 2011 bei der Stadt eingegangen war, wurde am darauffolgenden Tag eine verbindliche Vorabgenehmigung zur Wiederaufnahme der Grundwasserentnahme erteilt.

Die Untere Wasserbehörde wird die genauen Fördermengen und den Grenzwert für den Eisengehalt des Wassers im endgültigen Erlaubnisbescheid festsetzen. Die Grenzwerte werden so festgelegt, dass die Gewässerfauna nicht gefährdet wird.

In Arbeitsgesprächen zwischen Stadt und Stadtwerken wurde vereinbart, dass die Pumpen im Wasserwerk versuchsweise angefahren werden sollen. Nach diesen Versuchen sollen die konkreten Einleitungswerte festgelegt werden. Danach wird entschieden, ob eine Direkteinleitung in die Kleine Delme über den Hützeberggraben möglich ist. Gleichzeitig soll mit der Einfahrphase der Enteisenungsanlage begonnen werden. Der Fischereiverband sowie der Fischereiverein Delmenhorst werden dabei entsprechend beteiligt.

Um während der Testphase der Enteisenungsanlage den geforderten Eisenwert von maximal fünf Milligramm pro Liter sicherzustellen, wurde in Arbeitsgesprächen zwischen SWD und Stadt beschlossen, das Absenkwasser zunächst in den Schmutzwasserkanal einzuleiten.

Am 29. September 2011 wurden vier Brunnen im Wasserwerk in enger Zusammenarbeit zwischen Stadt und SWD in Betrieb genommen. Die Stadtverwaltung begleitet diesen Prozess und führt unter Hinzuziehung einer Biologin laufend Proben zur Wasserüberwachung durch.

Die Stadt und Stadtwerke informierten bei einem gemeinsamen Pressetermin am 30. September 2011 im Wasserwerk über die erfolgreiche Inbetriebnahme der Brunnen und die Ableitung des Absenkungswassers in den Schmutzwasserkanal bis die Enteisenungsanlage einen stabilen Ablaufwert aufweist.

Am 4. Oktober 2011 hat der Rat der Stadt einen Förderbetrieb im Wasserwerk An den Graften für maximal zwei Jahre beschlossen. Durch den Runden Tisch "Entwässerung Graft" soll eine langfristige Lösung für die Versumpfung der Graftanlagen erarbeitet werden.

Die Stadtverwaltung erlaubt den Stadtwerken seit dem 1. November 2011 eine erhöhte Wasserförderung in den Graftanlagen. Somit können jetzt 220 statt bisher 110 Kubikmeter Wasser pro Stunde in den Hützeberggraben abgeleitet werden. Tägliche Proben und ergänzende Gutachteraktivitäten begleiten das Vorgehen. Bis zu vier Brunnen sind seit Ende September in Betrieb, um den Grundwasserspiegel in der Graft zu senken.

Der Runde Tisch "Entwässerung Graft" hat im November 2011 vier Lösungsvarianten erarbeitet. Die weitere Beschreibung und Bewertung wurde dem Ingenieur-Dienst-Nord (IDN) aus Oyten übertragen. Hierbei sollten insbesondere die Vor- und Nachteile, technische Details, die jeweiligen Kosten sowie die grundsätzliche Machbarkeit der Lösungsvarianten objektiv geprüft werden, um dem Rat eine optimale Entscheidungsgrundlage zu bieten.

Ein erstes Zwischenergebnis hat der IDN am 20. September 2012 dem Runden Tisch und am 4. Oktober 2012 dem zuständigen Fachausschuss vorgestellt. Im Ergebnis wurde die Prüfung einer weiteren, fünften Variante festgelegt.

Nach ergänzender Betrachtung einer fünften Variante wurde das endgültige Gutachten am 14. Februar 2013 dem Runden Tisch und am 27. Februar 2013 dem Fachausschuss vorgestellt und dort diskutiert.

Welche der fünf Entwässerungsvarianten realisiert werden soll, ist noch offen.