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Pressemitteilung - 26. Juli 2019

Stadt setzt seit 25 Jahren erfolgreich auf Prävention

Vorreiter in Sachen Vorbeugung: Der Kommunale Präventionsrat (KPR) Delmenhorst wird in diesem Jahr 25 Jahre alt. Bei seiner Gründung war er bundesweit das zweite derartige Gremium; mittlerweile gibt es knapp 600 solcher lokalen Zusammenschlüsse.

Dem KPR noch voraus ging das erste Präventionsbüro der Bundesrepublik Deutschland. Mit der Gründung 1987 reagierte der damalige Oberstadtdirektor Willi Schramm, unterstützt von Polizeidirektor Gerd Schütte, Oberbürgermeister Jürgen Thölke, dem Landtagsabgeordneten und Ratsherrn Dr. Harald Groth, Jugendamtsleiter Kurt Behlmer sowie der Präventionsbeauftragten Marion Allhusen-Siemers, auf die seinerzeit überdurchschnittlich hohe Kriminalitätsbelastung in der Stadt.

Die Entwicklung forcierte der auf Schramm gefolgte Oberstadtdirektor Dr. Norbert Boese bis hin zur Gründung des „Kriminalpräventiven Rates“, kurz KPR, am 7. Juli 1994. Auf Landesebene entstand im folgenden Jahr der Landespräventionsrat Niedersachsen.

Vorsitzender des KPR ist damals wie heute der jeweils amtierende Oberbürgermeister, derzeit Axel Jahnz, und Stellvertreter der jeweilige Polizeichef, derzeit Leitender Kriminaldirektor Jörn Stilke. Den KPR maßgeblich geprägt hat die langjährige Geschäftsführerin Angelika van Ohlen. Mitglieder des Rates sind Verantwortliche unter anderem aus städtischen Fachdiensten, Polizei, Justiz, KPR-Gremien, Wohlfahrtspflege, Kita, Schule, Gleichstellung, Anonymer Drogenberatung, Kinder- und Jugendparlament, Gesundheitswesen, Jobcenter, Volkshochschule, städtischen Beiräten, Universitätsgesellschaft, DGB, Breitem Bündnis gegen Rechts sowie Migrantenorganisationen.

Getreu dem Motto „Kräfte bündeln, handeln!“ verabschiedet die Mitgliederversammlung einen jährlichen Maßnahmenkatalog. Der KPR arbeitet ressortübergreifend, ohne eigene Geschäftsordnung und Satzung und ohne Einbindung in die Ratsgremien.

Höchstes Ziel des Zusammenschlusses ist die Stärkung der objektiven Sicherheit in der Stadt und des subjektiven Sicherheitsgefühls der Bürgerinnen und Bürger. Gute Kommunikationsstrukturen verhelfen zu Lösungen für oft sehr komplexe Gemengelagen.

Mit der Pionierarbeit in den 1980er-Jahren wurde Delmenhorst zur Wegbereiterin eines Umdenkens in Sachen Kriminalität. Prävention sollte künftig vor Repression gehen.

In den ersten Jahren wurden bedeutende Initiativen eingerichtet, zum Bei-spiel ein Täter-Opfer-Ausgleich, auf das Gemeinwesen orientierte Arbeit in den Stadtteilen, Projekte gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit, bauliche Maßnahmen zur Vermeidung von Fahrraddiebstählen oder auch polizeiliche Öffentlichkeitsarbeit gegen Autoknacker.

Drei KPR-Fachgruppen stellen bis heute Präventionsbedarfe fest und entwickeln Ideen für praxistaugliche Maßnahmen. Dabei werden kriminelle und suchtbezogene Tendenzen frühzeitig erkannt und benannt und mit gut durchdachten und auf Dauer angelegten Maßnahmen möglichst eingedämmt.

Der Fachkreis Suchtprävention und Gesundheitsförderung, die Arbeitsgemeinschaft „Gewalt“ sowie der Fachkreis Technische Prävention der Polizei tagen seit über zwei Jahrzehnten. Bis zum Jahr 2000 wurden zahlreiche Modellprojekte entwickelt, die teilweise immer noch Bestand haben beziehungsweise weiterentwickelt wurden: Modell gegen Schulabstinenz, Zivilcourage-Preis, Präventionsmodell „Faustlos“ für Kindergärten und Grundschulen, suchtpräventive Angebote für Kindergärten, Grund- und weiterführende Schulen, „Mitternachtshallen“, Aktionen gegen Ladendiebstahl, Fahrradcodierungen, Sicherheitsberater für Seniorinnen und Senioren, Stadtteiltreff für jugendliche Aussiedler in Deichhorst, Stadtteilkonferenz Düsternort, Kampagne gegen Feindlichkeit gegenüber Migrantinnen und Migranten und Initiativen für Toleranz und Vielfalt der Kulturen.

Im Laufe der Jahre hat sich der Präventionsbedarf gewandelt. Neben den bisherigen früheren Schwerpunktthemen Sauberkeit und Sicherheit am Bahnhof, Streitschlichtung in der Schule, Kampagnen gegen jegliche Art von extremistischen „Wölfen in Schafspelzen“, Sport als Gewaltprävention und der Förderung der Zivilcourage unterstützt der KPR seit rund fünf Jahren auch die Ausrichtung als „Safe Community“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie den Runden Tisch für Unfallprävention, die beide auf Initiativen des ehemaligen Chefs der Kinderklinik Dr. Johann Böhmann zurückgehen.

Aufgrund der zahlreichen thematischen Überschneidungen beteiligt sich der KPR auch am Bundesprogramm „Demokratie leben – Aktiv gegen Extremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“. Darüber hinaus ist in den vergangenen Jahren die Medienkompetenz in den Fokus der Prävention gerückt.

Die Angebotspalette richtet sich an eine große Altersspanne. Von den Allerkleinsten bis hin zu Senioren hält der KPR eine Fülle von Präventionsmaßnahmen vor. Ein besonderes Augenmerk liegt jedoch auf der Entwicklung und Förderung von Jugendlichen.

Die unter Dreijährigen üben bereits im Projekt „Fäustling“ spielerisch Achtsamkeit. Derweil lassen sich die Sicherheitsberater für Seniorinnen und Senioren zweimal jährlich zu Themen wie Enkeltrick und Ähnlichem schulen, um das Gelernte als Multiplikatoren an ihre Gruppen weiterzugeben.

Leuchtturmprojekt sind die mittlerweile 20-jährigen „Mitternachtshallen“ als niederschwelliges, kostenfreies Sportangebot für Jugendliche mit Yusuf Aladag als Koordinator. Dieses bewährte Konzept der Gewaltprävention durch Sport wurde ab Juni 2019 mit dem frei zugänglichen Hood Training im öffentlichen Raum erweitert.

Aber auch die flächendeckende Suchtprävention und (Früh-) Intervention an Schulen verzeichnen nachweisbare Erfolge bei der kritischen Haltung der Schülerinnen und Schüler gegenüber Tabak, Alkohol, legalen und illegalen Drogen, Glücksspiel und Mediennutzung. Dies belegen die wissenschaftlich begleiteten repräsentativen Schülerbefragungen an allen weiterführenden Delmenhorster Schulen.

Zum Gelingen der Präventionsarbeit trägt zum einen bei, dass Prävention Chefsache ist. Zum anderen ist es aber auch die Umgebung, das soziale und kulturelle Gesicht der Stadt: die rund 90 im öffentlichen Raum zur Verfügung stehenden Sport- und Spielflächen, die zum Verweilen und Begegnen einladende Innenstadt, die Graftanlagen zur Erholung und Freizeitgestaltung, die Gemeinwesenarbeit in etlichen Stadtteilen, die sieben Jugendhäuser.

Aber auch das Sozialen Leitbild der Stadt „Gesund aufwachsen in Delmenhorst“ (2010) mit seinem Aktionskatalog, das bundesweit einzigartige „Safe Community“, die 2012 unterzeichnete „Charta der Vielfalt – für Diversity in der Arbeitswelt“ sowie die enorme Hilfsbereitschaft Ehrenamtlicher, das Engagement der Streetworker und Integrationslotsen und nicht zuletzt der Zusammenhalt der Bevölkerung leisten Beiträge zum Erfolg.

Ein weiterer, ungemein wichtiger Faktor ist die Spendenbereitschaft der Sponsoren, die den KPR teils regelmäßig, teils sporadisch großzügig unterstützen. Der 2001 gegründete KPR-Förderverein mit seinem Vorsitzender Gerd Schütte ist eine weitere finanzielle und ideelle Stütze. Den ehrenamtlichen Vereinsmitgliedern, die auch beruflich in der Prävention von Gewalt und Kriminalität engagiert sind und waren, liegen insbesondere die Förderung der sozialemotionalen Kompetenzen von Jugendlichen am Herzen.

Seit der KPR-Gründung hat sich auf lokaler Ebene viel verändert. Dem bundesweiten Trend folgend, sinkt auch in Delmenhorst die Zahl der Straftaten kontinuierlich. Sie hat sich von 12.110 im Jahr 1987 auf 6.038 im Jahr 2018 mehr als halbiert. Schon längst darf Delmenhorst in die Liste der sichersten Städte Niedersachsens einreihen.

Aufgrund des Aufwärtstrends in Sachen Sicherheit war es nur folgerichtig, den „Kriminalpräventiven Rat“ 2017 in den „Kommunalen Präventionsrat“ umzubenennen. Damit wurde der positiven Gesamtentwicklung der Stadt auch im Namen Ausdruck verliehen, ohne dabei die Erfolgsmarke KPR zu verändern.

Nr. 310|19 - msr