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Pressemitteilung - 4. Juni 2019

Kunststoff-Diskussion: Was ist wirklich umweltfreundlich?

Die getrennte Erfassung von Bioabfällen ist eine wesentliche Voraussetzung für die Wiederverwertung von organischen Substanzen und Nährstoffen. Nur aus sauber getrennten und fremdstoffarmen Küchen- und Gartenabfällen lässt sich hochwertiger Kompost herstellen, der auch guten Gewissens als hochwertiger Bodenverbesserer und Dünger im Garten- und Landschaftsbau wiedereingesetzt werden kann.

„Leider werden aber in Küchen und Haushalten zur getrennten Sammlung dieser Abfälle häufig Plastiktüten eingesetzt, die dann aus Versehen, aus Unwissen oder Gedankenlosigkeit nicht ausgeleert werden, sondern mit den organischen Resten in die Biotonne wandern“, sagt Monika Grenzdörfer vom Fachdienst Umwelt. Diese Regelung gelte auch für sogenannte „Bioplastik-tüten“, die gerne mit Begriffen wie „biologisch abbaubar“, „kompostierbar“, „aus nachwachsenden Rohstoffen“ oder „biobasiert“ beworben würden.

Aber was ist wirklich umweltfreundlich? Sowohl Plastiktüten als auch Trinkbecher oder Kaffeekapseln können aus nachwachsenden Rohstoffen, zum Beispiel Mais, bestehen. Dann sind sie „biobasiert“. Oder die Produkte sind „biologisch abbaubar“ und zersetzen sich dann unter optimierten Laborbedingungen in einem bestimmten Zeitraum. Allerdings nicht in wertvolle Bodenbestandteile, sondern nur in Wasser und Kohlendioxid. Nicht jeder Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen ist verwirrenderweise auch „biologisch abbaubar“ oder „kompostierbar“. „Und die biologisch abbaubaren Kunststoffe sind nicht zwangsläufig aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt“, sagt Abfallexpertin Grenzdörfer.

Vor allem finden sich die nach DIN-Norm definierten Abbau- beziehungsweise Zerfall-Bedingungen nicht in der freien Natur – und schon gar nicht auf dem eigenen Kompost. Sie entsprechen auch nicht grundsätzlich den Kompostproduktionszeiten im Kompostwerk. Außerdem ist in den Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen fast immer ein gewisser Anteil erdölbasierter Rohstoffe, um Anforderungen wie zum Beispiel Reißfestigkeit zu gewährleisten. Dies ist weder für den Verbraucher noch im Betriebsablauf der Kompostanlage ersichtlich. Restbestände finden sich dann leicht als Nanokunststoffpartikel in der Umwelt wieder.

Egal ob Bioplastik oder konventioneller Kunststoff – eines ist ihnen gemein: sie sind einwegorientiert. „Nur Taschen, Tüten oder Kaffeebecher im Mehrwegsystem sind wirklich umweltfreundlich“, weiß Grenzdörfer. Und für die Bioabfallsammlung sind vorhandenes Zeitungspapier oder Papiertüten immer die bessere und meist kostenlose Alternative.


Nr. 223|19 - tif