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Pressemitteilung - 20. November 2018

Neue Ausstellungen in Städtischer Galerie Delmenhorst

Am Freitag, 23. November, präsentiert die Städtische Galerie Delmenhorst zwei neue Ausstellungen. Um 19 Uhr wird in der Remise das Projekt des finnischen Künstlerduos IC-98 mit dem Titel „A View from the Other Side“ eröffnet, und um 20 Uhr geht der Eröffnungsabend mit der Ausstellung „immer wider“ von Jean-François Guiton weiter.

Für die Ausstellung „immer wider“ hat der renommierte Videokünstler Jean-François Guiton (Jahrgang 1953, geboren in Paris), der als Professor an der Hochschule für Künste Bremen viele Künstlergenerationen geprägt hat, 15 frühere und aktuelle Video-Werke ausgewählt. Jede Arbeit, jede Monitorkonstellation, hat er einem präzisen Konzept folgend in die Coburg’sche Raumfolge komponiert.

Dabei ist die Arbeit „Die Höflinge“ (2003), die sich als monströser inner circle von Monitoren auf Stativen im Wintergarten drängt, ein furioser Auftakt. Jeder Bildschirm zeigt das gleiche hypnotisierende Video eines Roboters, der Bücklinge in Endlosschleife vollführt. Der seltsame Aufmarsch lässt gleichermaßen über die Tücke unserer allgegenwärtigen Technik wie auch über das Verhältnis von Kunst und Betrachter nachdenken.

Die mehrteilige Monitorinstallation „Lichtfall“ (2018) lockt mit ihrer technoiden Soundkomposition in die Räume der Galerie, vorbei an Arbeiten, die mit Titeln wie „Hochgehängt“ (2017), „Windblind“ (2018) oder „Les pas perdus“ (1987) in ihre Bedeutungsdimensionen verweisen. Oft sind es basale menschliche Grundbefindlichkeiten, einfache Handlungen oder Alltagsbeobachtungen, die Jean-François Guiton filmisch freistellt und in eine Endlosschleife überführt.

Jede einzelne Arbeit regt an, nach der conditio humana, nach den Bedingungen unseres Seins zu fragen, dabei vor allem nach der Zeit als bestimmendem Faktor. Es ist nichts weniger als unser Begriff von Zeit, der zur Disposition steht, unsere allzu einfache Vorstellung von Vorher und Nachher, von Verlauf und Richtung, die letztlich nicht mehr als ein überlebensdienlicher Tranquilizer ist. Die geloopte Bildwelt von Jean-François Guiton erzeugt eine gedankliche Unruhe, in der es um die Bedeutung unserer subjektiv erlebten und gelebten Zeit geht, um Diffiziles, wie die Unmöglichkeit einer hundertprozentigen Wiederholung oder den Zusammenfall von Zeit und Stillstand.

Mit der im Dachgeschoss des Hauses Coburg präsentierten Großprojektion „Nebelkammer“ (2018) gipfelt dies in einer dystopischen Vision von unserer Welt, die sich gleichermaßen auf medial präsente Katastrophenszenarien wie auf archaische Bilder und Mythen bezieht.

„A View from the Other Side“ heißt die zentrale Arbeit, die als Großprojektion in der Remise der Städtischen Galerie Delmenhorst gezeigt wird. Autor der 71-minütigen Animation ist das international bekannte finnische Künstlerduo IC-98, bestehend aus Patrik Söderlund (Jahrgang 1974) und Visa Suonpää (1968).

„A View from the Other Side“ ist eine faszinierende Gebäudemetamorphose, die von zurückhaltenden Orgelklängen begleitet wird. Protagonist ist ein neoklassisches Gebäude im Zentrum der finnischen Stadt Turku. Nach einem verheerenden Brand der Stadt wurde das langgestreckte, von einer Kolonnadenfront geprägte Haus 1836 am Ufer des Aurajoki erbaut. Die spezielle Architektur, vor allem aber die bewegte Historie des Hauses waren für IC-98 zündend für ihre eigene, aus unzähligen Schwarz-Weiß-Zeichnungen bestehende Animation.

Über eine Stunde lang vermögen sie ihr Publikum zu bannen, mit einem Film, in dem der Mensch seltsam anwesend und abwesend ist. Die Arbeiten von IC-98 relativieren die Bedeutung des Anthropozäns, sie sind politisch, wenn auch in einem verzaubernd-mystischen Gewand.

Die Ausstellung „IC-98. A View from the Other Side“ wird vom Finnland Institut in Deutschland und dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur unterstützt. Die Ausstellung „Jean-François Guiton. immer wider“ wird von der Waldemar Koch Stiftung, der Oldenburgischen Landesbank und dem Freundes- und Förderkreis der Hochschule für Künste Bremen unterstützt.


Nr. 552|18 - Städtische Galerie Delmenhorst