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Coronavirus: Schulen und Kindertagesstätten

Niedersachsen plant möglichst normalen Unterricht nach Ferien

Der Schulunterricht in Niedersachsen soll nach den Sommerferien (16. Juli bis 26. August) so normal wie möglich starten. Das hat Kultusminister Grant Hendrik Tonne am Dienstag, 7. Juli, angekündigt: „Wir planen das neue Schuljahr 2020/2021 auf der Basis von Normalität. Stand heute kommen wir mit Blick auf das aktuelle Infektionsgeschehen zu der klaren Einschätzung, dass das Schuljahr 2020/2021 im eingeschränkten Regelbetrieb startet. Im Endeffekt bedeutet dies, dass wir die ‚Schule wie immer‘ starten, allerdings mit ein paar Sonderregelungen bedingt durch das Coronavirus.“

Da unklar ist, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt, stellte Niedersachsens Kultusminister zwei weitere Szenarien für den Schulbetrieb nach den Sommerferien vor: Neben dem eingeschränkten Regelbetrieb als Szenario A gibt es noch die Szenarien B (Schule im Wechselmodell) und C (Quarantäne und Shutdown).

Kein Mindestabstand, aber feste Gruppen

Angesichts der landesweit niedrigen Infektionszahlen erscheint nach derzeitigem Planungsstand ein eingeschränkter Regelbetrieb nach den Sommerferien sehr wahrscheinlich, teilte das Kultusministerium mit. „Dieser quasi-Regelbetrieb ermöglicht maximalen Präsenzunterricht und Pflichtunterricht unter den gegebenen Bedingungen. Dafür verzichten wir auf den Mindestabstand von 1,5 Metern und setzen stattdessen auf möglichst feste Lerngruppen“, so Tonne. Die maximale Bezugsgröße einer Gruppe sei eine Jahrgangsstufe.

Sollte sich die Infektionslage verschlechtern und sich eine landesweite Verschärfung ergeben, wird auf das Szenario B, welches eine Kombination aus Präsenzunterricht und Lernen zu Hause vorsieht, zurückgegriffen. Dies entspricht der Vorgehensweise wie in den vergangenen Monaten. Szenario C tritt im Falle lokaler oder landesweiter Schulschließungen und Quarantäne in Kraft. Anzeichen für flächendeckende Schulschließungen gebe es derzeit aber nicht, so Tonne.

Die Schulen erhalten Leitfäden zur Durchführung eines schulischen Regelbetriebs unter Corona-Bedingungen sowie zu den anderen beiden Szenarien. Jeweils vier und zwei Wochen vor dem Schulstart analysiert das Kultusministerium zusammen mit dem Landesgesundheitsamt und dem Gesundheitsministerium das landesweite Infektionsgeschehen.

Fünf Delmenhorster Schüler positiv auf Covid-19 getestet

Kürzlich durchgeführte Corona-Tests haben fünf mit Covid-19 infizierte Schülerinnen und Schüler an vier Delmenhorster Schulen aufgezeigt (Grundschule an der Beethovenstraße, Parkschule, Oberschule Süd und Wilhelm-von-der-Heyde-Oberschule).

Entsprechend der geltenden Vorgaben wurden die betroffenen Lerngruppen der Schülerinnen und Schüler vorsorglich für die nächsten 14 Tage in Quarantäne geschickt. Da die Schulleitungen umfassende Hygienekonzepte vorgelegt haben, sind keine weiteren Konsequenzen erforderlich.

Kitas für alle Kinder geöffnet

Die Kindertagesstätten in Niedersachsen können seit dem 22. Juni wieder öffnen und allen Kindern einen Betreuungsplatz anbieten. Damit dürfen auch in Delmenhorst alle Kinder in ihre reguläre Kita-Gruppe zurückkehren.

Die wegen der Corona-Pandemie eingeführte Notbetreuung ist zum 22. Juni ausgelaufen und es wurde auf einen eingeschränkten Regelbetrieb der Kitas umgestellt. Allen Kindern sei dabei ein Angebot zur Betreuung in einer Kita zu machen, so Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne.

Grundsätzlich ist im eingeschränkten Regelbetrieb eine Betreuung im Umfang wie vor der coronabedingten Kita-Schließung möglich, teilt das Kultusministerium mit. Eine Begrenzung der Gruppengröße gibt es nicht. Freie Plätze können mit neuen Kindern belegt werden.

Unterstützung durch Aushilfsbetreuer

Beschränkungen in den einzelnen Einrichtungen sind aber nicht auszuschließen. Das Angebot könne etwa zeitlich begrenzt sein, so Tonne. Ein komplettes Betreuungsangebot sei wohl nicht möglich, da laut dem Minister 20 bis 30 Prozent der Erzieher zur Corona-Risikogruppe gehören. Um einen eventuellen Personalmangel aufzufangen, können nicht ausgebildete Personen zur Betreuung der Kinder herangezogen werden.

Dazu heißt es vom Kultusministerium: Einmalig je Gruppe kann vorübergehend anstelle einer Fachkraft eine andere geeignete Person mit der Wahrnehmung von Aufsichtspflichten betraut werden, sofern zur gleichen Zeit mindestens eine sozialpädagogische Fachkraft in der Gruppe tätig ist.

Auch in den Abläufen – etwa dem Bringen und Abholen der Kinder – kann es zu Einschränkungen kommen. Um den Gesundheitsschutz zu gewährleisten und die Hygienepläne einhalten zu können, sind zudem offene Gruppenkonzepte sowie die Durchmischung von Gruppen nicht zulässig.

Schrittweise Rückkehr in die Schulen

Seit dem 15. Juni bekommen in Niedersachsen – und damit auch in Delmenhorst – wieder alle Klassen Präsenzunterricht in den Schulen. Als letzte Jahrgänge kehrten die Erst-, Fünft- und Sechstklässler zurück. Mitte März waren die Schulen aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen worden. Ende April hat dann die schrittweise Wiederaufnahme des Schulbetriebs nach dem Fahrplan des Niedersächsischen Kultusministeriums begonnen.

Nach der Corona-Pause erhielten die Schüler seit dem 22. April Online-Unterricht. Als Erstes hat am 27. April der Präsenzunterricht für die Abschlussklassen der Jahrgänge 9, 10, 12 und 13 begonnen. Für die 4. Klassen der Grundschulen ist der Unterricht am 4. Mai und für die 12. Klassen, die keine Abschlussprüfung zu absolvieren haben, am 11. Mai gestartet. Seit dem 18. Mai gehen die 3. Klassen sowie die 9. und 10. Klassen – sofern keine Abschlussprüfung abgelegt werden muss – wieder in die Schulen.

Am 25. Mai hat für die 11. Klassen der Präsenzunterricht begonnen, ebenso sind zusätzliche Jahrgänge der Förderschulen Geistige Entwicklung an ihre Schulen gekommen. Seit dem 3. Juni besuchen nicht nur alle Schüler des berufsbildenden Schulwesens wieder ihre Schulen besuchen, sondern auch die 2., 7. und 8. Klassen.

Abschlussfeiern erlaubt

Das Land Niedersachsen ermöglicht seit dem 22. Juni wieder Schulveranstaltungen im größeren Rahmen wie Abschluss- und Einschulungsfeiern sowie Zeugnisübergaben und Verabschiedungen. Solche Veranstaltungen können mit bis zu 250 Personen unter Wahrung von Hygiene- und Sicherheitsauflagen auch in geschlossenen Räumen durchgeführt werden.

Die allgemeinen Eckpfeiler zur Durchführung von Veranstaltungen aus der Niedersächsischen Verordnung sind auf den Schulbereich zu übertragen: So ist ein Mindestabstand von 1,5 Metern zu gewährleisten. Bei Veranstaltungen in geschlossenen Räumen muss zudem sichergestellt werden, dass jeder Besucher eine Mund-Nasen-Bedeckung trägt. Aufgrund des Infektionsrisikos muss auf Gesangs- und Orchesteraufführungen verzichtet werden. Mögliche Elemente einer Feierstunde können Grußworte und Videobotschaften, abgespielte Musik, digitale Präsentationen und Ähnliches sein.

Kultusminister Grant Hendrik Tonne: „Damit sind würdige Abschiede und herzliche Begrüßungen möglich. Allen muss aber klar sein, dass wir nicht über Partys und Abschiedsbälle sprechen. Die Sicherheitsstandards sind hoch und müssen konsequent umgesetzt werden.“ Am 9. und 10. Juli haben die Schüler ihre Abiturzeugnisse verliehen bekommen.

Sportunterricht möglich

Seit dem 22. Juni ist Schulsport wieder möglich – allerdings kontaktlos, mit Abstand und unter Beachtung von Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen, insbesondere der Sportgeräte. Dafür bekommen die Schulen ein eigenes schulsportliches Hygienekonzept.

Zudem sind an den Schulen auch wieder Theater- und Filmaufführungen, Vortragsveranstaltungen, Projekttage zulässig – genau wie Fahrten zu außerschulischen Lernorten in Kleingruppen, sofern sie lediglich einen Tag dauern.

Während der Anwesenheit in der Schule werden die Klassen in je zwei Gruppen aufgeteilt, um den nötigen Abstand zwischen den Schülern zu schaffen. Es soll beim Lernen eine sich abwechselnde Mischform geben: Die eine Hälfte der Klasse wird in der Schule unterrichtet, die andere Hälfte bearbeitet Aufgaben zu Hause. So findet der Präsenzunterricht mit maximal 16 Schülern statt. Zudem hat das Niedersächsische Kultusministerium einen Corona-Hygieneplan für die Schulen herausgegeben.

Entlastung für Lehrer

Um ein Signal der Entlastung an die Lehrer zu senden, hat das Niedersächsische Kultusministerium mehrere Erleichterungen umgesetzt. Demnach ist die mündliche Prüfung bei den Abschlussprüfungen der Klassen 9 und 10 nicht mehr verpflichtend, sondern freiwillig. Zudem wird das Verfahren zur Rückmeldung der Ergebnisse der Abschlussarbeiten verschlankt. Und die Schüler, die ihre Abschlussprüfungen abgelegt haben, müssen danach nicht mehr in die Schule kommen.

Mund-Nasen-Schutz empfohlen

In Schulen, zum Beispiel auf dem Pausenhof oder in den Schulgängen, sowie im Schulbus und bei der Abholung von Kindern aus der Notbetreuung wird empfohlen, eine Alltagsmaske zu tragen.

Während des Unterrichts ist das Tragen von Mund-Nasen-Schutzmasken nicht vorgesehen – es sei denn, der Mindestabstand von eineinhalb Metern kann nicht gewährleistet werden. Kinder bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr sind von der Maskenpflicht befreit.

Als Mund-Nasen-Bedeckung sind auch Schals, Tücher, Buffs, aus Baumwolle oder anderem geeignetem Material selbst hergestellte Masken oder Ähnliches geeignet.

Stadt erlässt Elternbeiträge für Kitas

Um alle Eltern zu entlasten, die nun keine Betreuung in Anspruch nehmen können, hat die Stadt Delmenhorst entschieden, rückwirkend ab dem ersten Kita-Schließungstag (16. März) die Elternbeiträge zu erlassen. Diese Regelung gilt für Einrichtungen aller Träger bis zum Ende der verfügten Schließungen.

Zahlungen per Einzugsermächtigung werden nicht mehr abgebucht. Eltern, die einen Dauerauftrag eingerichtet haben, sollten diesen stoppen. Zu viel gezahlte Beträge werden den Eltern erstattet.

Unterricht an Musikschule angelaufen

Die Musikschule der Stadt Delmenhorst (MSD) hat ihren Unterrichtsbetrieb teilweise wieder aufgenommen. Die Einrichtung an der Schulstraße hatte wegen der Corona-Pandemie acht Wochen pausieren müssen. Nun durften zunächst der Instrumental- und der Vokalunterricht starten. Laut der Niedersächsischen Verordnung dürfen seit dem 22. Juni Chöre und Bläserensembles ihre Proben im Freien abhalten, müssen aber die üblichen Daten aller Teilnehmenden dokumentieren. Der Mindestabstand von 1,5 Metern ist einzuhalten.

Jugendhäuser und Familienzentrum Villa wieder geöffnet

Die Delmenhorster Jugendhäuser und das Familienzentrum Villa dürfen nach mehr als zweimonatiger Corona-Pause wieder öffnen. Seit dem 2. Juni können Kinder und Jugendliche die offenen Bereiche der Einrichtungen, verschiedene Gruppenangebote und die Hausaufgabenhilfen nutzen. Die Öffnung unterliegt bestimmten Auflagen.