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100 Jahre Kreisfreie Stadt

Voraussetzung für stürmische Entwicklung

Die Erhebung Delmenhorsts zur Stadt erster Klasse am 1. Mai 1903 gehört zu den herausragenden Ereignissen in der Geschichte dieser Stadt. Heute wissen wir, daß erst die Kreisfreiheit die Voraussetzungen für die danach einsetzende stürmische Entwicklung schaffte und dafür, daß sich heute Delmenhorst als eine aufgeschlossene, moderne, aufwärtsstrebende und lebendige Wirtschaftsstadt präsentieren kann.

Damals, als es kurz vor der Jahrhundertwende um die Frage der Herauslösung der Stadt aus dem Amtsverband Delmenhorst ging, dem sie seit 1852 angehörte, waren es zunächst nur wenige, die die Bedeutung erkannten und sich für die Erlangung der Kreisfreiheit einsetzten. Wenn es nach langen Beratungen und schwierigen Verhandlungen mit dem Ministerium in Oldenburg dann schließlich doch zu einem fast einstimmig gefaßten Beschluß des damaligen Gesamtstadtrates am 16. September 1902 kam, sich grundsätzlich mit der Erhebung einverstanden zu erklaren, so war das nicht zuletzt das Werk jenes Mannes, der weitsichtig die Bedeutung dieser Frage schon sehr bald nach seinem Amtsantritt erkannt hatte: Bürgermeister Erich Koch.

Im April 1901 als 26jähriger gebürtiger Bremerhavener vom Magistrat und Gesamtstadtrat einstimmig zum Bürgermeister gewählt, gab er den schon jahrelang laufenden Bemühungen durchseinen im Juni 1902 nach Oldenburg abgesandten Bericht, in dem er alle die für die Erhebung der Stadt sprechenden Gründe anführte, die entscheidende Wende. Der später als Reichsminister Koch-Weser bekanntgewordene und 1928 zum Ehrenbürger der Stadt ernannte Bürgermeister Erich Koch hat dann auch als ein Kommunalpolitiker ersten Ranges in den ersten Jahren der Kreisfreiheit entscheidend am Aufschwung der Stadt mitgewirkt.

Im Gegensatz zu damals bedurfte es keiner großen Bemühungen, als vor einigen Jahren im Zuge der Oberlegungen zur Durchführung der Verwaltungs- und Gebietsreform im Lande Niedersachsen erneut die Frage der Kreisfreiheit auftrat, die BürgerdieserStadt zu einer klaren Stellungnahme für die Erhaltung der Kreisfreiheit aufzurufen. Im Jahre 1975 haben über 36000 Einwohner dieser Stadt mit ihrer Unterschrift gefordert, "Delmenhorst muß kreisfrei bleiben", als es galt, Bestrebungen abzuwehren, die Stadt einem Nachbarlandkreis zuzuordnen. Ebenso war das deutliche Ergebnis in Delmenhorst beim Oldenburger Volksentscheid von 1975 zu verstehen. Wir sind sicher, daß dereinst in der Geschichte diese Bemühungen der Stadt als genauso weitsichtig und richtig gewürdigt werden können wie die um das Jahr 1903.

Die Geschichte, in die wir auch einmal außerhalb solcher Stadtjubiläen einen Blick werfen sollten, kann uns manche wertvolle Erkenntnisse geben. Wenn es in Delmenhorst stets Frauen und Männer gibt, die diese Hinweise der Geschichte richtig verwerten und dabei gleichzeitig aufgeschlossen einen klaren Blick für die Fragen und Forderungen unserer Zeit behalten, dann werden stets gute Voraussetzungen für eine glückliche Weiterentwicklung dieser Stadt gegeben sein.

Text aus der Festschrift
des Delmenhorster Kreisblattes
zum 90jährigen Jubiläum

Die Urkunde vergrößern

Mit dieser Urkunde des Großherzogs Friedrich August von Oldenburg wurde am 24. Februar 1903 Delmenhorst zur Stadtgemeinde I. Klasse erhoben


 

mehr zu Erich Koch-Weser

Erich Koch (der sich später
Koch-Weser nannte) war von 1901 bis 1909 Bürgermeister von Delmenhorst und prägte nachhaltig das Bild unserer Stadt. Er wurde hierfür 25 Jahre später als erster Ehrenbürger der Stadt ausgezeichnet.


 

Großherzogliches Amt: große Ansicht

Bevor Delmenhorst zur selbstständigen kreisfreien Stadt wurde, wurden die Belange der unteren Verwaltungsbehörde vom Großherzogliche Amt wahrgenommen, das seinen Sitz in der Langen Str. 54-56 hatte.


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