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Zeittafel

 

1884

 

Martin Christian Leberecht Lahusen (1820-1898) gründete am 5. März 1884 die Norddeutsche Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei (NW&K) in Delmenhorst. Der Bremer Kaufmann war bereits seit 1873 Inhaber einer wollverarbeitenden Firma in Böhmen. Die Bremer Zollpolitik veranlasste viele Unternehmer, ihre Fabriken im Umland zu gründen, da Fertigwaren aus Bremen hoch verzollt werden mussten. Delmenhorst schien für die Gründung der NW&K ideal, da es an der Bahnlinie Bremen - Oldenburg lag und außerdem die Nähe der Delme eine gute Wasserversorgung der Fabrik gewährleistete.

 

Martin Lahusen 1820
Martin Christian Leberecht Lahusen
1820 - 1898

 

1893

 

Es entsteht eine Stadt in der Stadt. Zwischen Bahnlinie und Delme sind die sheddachförmigen Produktionshallen und die Kraftzentrale errichtet, 1886 wurde die Lahusen-Villa zwischen Fabrik und einer großartigen Gartenanlage, dem heutigen Wollepark, erbaut. Die ersten Beamtenhäuser und Arbeiterunterkünfte entstanden.

 

Nordwolle um 1900
"Die Stadt in der Stadt"
um 1900

 

1898

 

Zu den ersten Sozialeinrichtungen der NW&K gehörte das 1898 erbaute Mädchenwohnheim für 150 osteuropäische ledige junge Arbeiterinnen. Schon in den 80er Jahren begann die Nordwolle auf die Wohnungsnot zu reagieren. Ab 1888 wurde die erste Arbeitersiedlung Enklave erbaut. Nachdem der Konzern 1895 hohe Gewinne verzeichnete, begann man, ein großzügiges System an sogenannten Wohlfahrtseinrichtungen aufzubauen zu denen u.a. eine Badeanstalt, ein Krankenhaus und ein Konsumverein mit Bäckerei gehörten.

 

Zimmer im Mädchenwohnheim
2-Bett-Zimmer im Mädchenwohnheim

 

1900

 

Der expansive Ausbau der Nordwolle führte dazu, dass Arbeitskräfte aus osteuropäischen Ländern für die Fabrikarbeit angeworben wurden. Es handelte sich oft um Mädchen und jüngere Frauen, die für die feinfühlige Tätigkeit in der Wollverarbeitung eingesetzt wurden. Die massive Zuwanderung von Arbeitskräften nach Delmenhorst führte Anfang des Jahrhunderts zu vielen sozialen Problemen, da vor allem zu wenig Wohnraum vorhanden war. Es entstanden die sprichwörtlichen "Delmenhorster Verhältnisse".

 

Zuwandergruppe um 1900
Galizische Zuwanderergruppe um 1900 mit Anwerbern

 

1902

 

wurde das neue Maschinenhaus vom 2. Werksarchitekten Henrich Deetjen erbaut. In dem sakralen, auch als Kathedrale der Arbeit bezeichneten Bauwerk, war bis 1929 die 2500 PS starke Dampfmaschine untergebracht. Sie trieb über Schwungrad, Seilgang und Transmission die Maschinen im Produktionsbereich an.

 

Maschinenhaus 1902
Die "Kathedrale der Arbeit" - Das zweite Maschinenhaus der Nordwolle (1902)

 

1910

 

Carl Lahusen und Frau Armine bewohnten mit ihren 8 Kindern die ab 1886 erbaute Villa in unmittelbarer Nähe der Fabrik. Die immer weiter ausgebaute Villa war bis zum Tod Carl Lahusens Wohnsitz der Familie in Delmenhorst.

 

Lahusen-Villa
Die Lahusen-Villa
(ab 1886)

 

1911

 

Nicht nur die Zahl der Fabrikarbeiter stieg unter Carl Lahusens Leitung rapide an, 1911 waren es bereits 3000 im Delmenhorster Werk, immer mehr Beamte, Verwaltungsangestellte und Lehrlinge wurden eingestellt.

 

1912

 

Carl Lahusen (1858-1921) übernahm im Jahre 1888 das Werk von seinem Vater. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Nordwolle zu einem überregionalen weltweiten Konzern. Als Anerkennung seiner Leistungen wurde er 1912 vom Oldenburgischen Großherzog zum Geheimen Kommerzienrat ernannt

 

Zeichnung Nordwolle 1912
Die Norddeutsche Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei:
schon damals eine Einheit von Arbeiten und Wohnen
(Zeichnung von 1912)

 

Ziegelfassade 1920
Die imposante Ziegelfassade der NW&K

 

Prozess 1933
Prozess wegen "Bilanzverschleierung und Untreue" 1933

 

1920

 

In den 20er Jahren war die NW&K zu einem Konzern expandiert, der 25% der Weltproduktion an Rohgarn herstellte. Das Delmenhorster Werk hatte sich ebenfalls erweitert. Die Delespa (Delmenhorster Seifen- und Parfümwerk), die aus Wollfett Lanolin herstellte und weiterverarbeitete, war dem Konzern angegliedert. Im Osten und Norden waren größere Arbeitersiedlungen entstanden. An der Bahnlinie grenzte die imposante Backsteinziegelfassade mit Wasserturm das Gelände vom Stadtkern ab.

 

1921

 

Als der Kommerzienrat Carl Lahusen 1921 starb, übernahm sein Sohn G. Carl Lahusen mit seinen Brüdern Heinz und Friedel den Nordwolle-Konzern. Unter der Leitung der Gebrüder Lahusen kam es zu einer unsoliden Expansion des Unternehmens, da die ständige Erweiterung immer höhere Kapitalanlagen erforderte. Im Jahre 1931 musste die NW&K Konkurs anmelden; die Verschuldung war von den Lahusens über Jahre verschleiert und manipuliert worden. Sie wurden im gleichen Jahr verhaftet und 1933 wegen "Bilanzverschleierung und Untreue" verurteilt.

 

1929

 

Ende der 20er Jahre ließ G. Carl Lahusen zwei Repräsentationsbauten errichten, die u.a. für den Konkurs des Konzerns mitverantwortlich waren. Zu ihnen gehörte die Konzernzentrale in Bremen (das spätere Haus des Reichs und heutige Finanzamt) und schließlich das schlossartige Herrenhaus Gut Hohehorst, in Bremen-Nord (heute ein Drogentherapiezentrum).

 

Gut Hohenhorst
Gut Hohenhorst in Bremen-Nord
heute ein Drogentherapiezentrum

 

1932

 

Ende 1932 ging die Norddeutsche Woll- und Kammgarnindustrie AG als Nachfolgegesellschaft aus der NW&K hervor. Damit konnte nach dem Konkurs die Stillegung des Delmenhorster Werkes verhindert und der Arbeitsplatz bei der Nordwolle für viele Menschen erhalten werden.

 

 

1937

 

Aus der ehemaligen Villa der Lahusens Haus Hohehorst, wird das NS-Lebensborn- "Heim Friesland".

Frauen in der Sortierung 1940
Frauen in der Sortierung
(um 1940)

 

1939

 

erklärten die Nationalsozialisten die Nordwolle zum Wehrmachtsbetrieb. Das Unternehmen produzierte von nun an für die Rüstungsindustrie. Während des Krieges wurden Fremdarbeiter aus den von Deutschland besetzten Gebieten zur Zwangsarbeit im Werk eingesetzt.

 

1948

 

Nach dem Kriegsende musste das Werk neu organisiert werden. Die NWK bezog die Wolle wieder aus Übersee und konnte produzieren. Die folgenden Jahre waren durch wirtschaftlichen Aufschwung gekennzeichnet. Um dem gestiegenen Produktionsumfang gerecht zu werden, wurde 1951/52 ein neues Kesselhaus neben dem Turbinenhaus errichtet

Zerstörung 1942
Bei Bombenangriffen auf die Nordwolle 1942 werden Produktionsstätten und Wohnhäuser zerstört, auch Menschen kommen ums Leben.

 

1961

 

Der anhaltende konjunkturelle Aufschwung führte Anfang der 60er Jahre zu einem Arbeitskräftemangel in Deutschland. Die Unternehmen griffen in dieser Situation auf ausländische Arbeitskräfte zurück, die sich zu geringeren Löhnen und unter schlechten Bedingungen einstellen ließen. Die ersten Gastarbeiterinnen auf der Nordwolle kamen aus Spanien.

 

Spanische Arbeiterin
spanische Textilarbeiterin in den 60er Jahren auf der Nordwolle

 

1970

 

fusionierte die Nordwolle mit der Düsseldorfer Kammgarnspinnerei zur Vereinigten Kammgarnspinnerei AG (VKS). Bald zeichnete sich jedoch eine Strukturkrise in der Textilbranche ab: die Produktion wurde immer stärker in Billiglohnländer verlagert und Arbeitsplätze in Delmenhorst abgebaut.

 

1981

 

stellte die VKS die Produktion endgültig ein. 850 Mitarbeiter mussten entlassen werden. Die leerstehenden Fabrikhallen verfielen in kurzer Zeit.

Zerfall
Zerfall nach der Schließung

 

1983

 

Das Nordwolleareal wurde in den 80er Jahren umgestaltet. Denkmalgeschützte Gebäudeteile blieben vom Abriss verschont und wurden saniert. In ihnen sind neben dem Fabrikmuseum und dem Stadtmuseum auch die Volkshochschule, ein Technologiezentrum und weitere Einrichtungen untergebracht. In einem anderen Teil des Nordwollegeländes entstand, umrahmt von der alten Fassade der Produktionshallen, eine moderne Wohnsiedlung.

 

neue Bebauung
neue Bebauung

 

Fabrikmuseum
Das Fabrikmuseum in dem ehemaligen Maschinenhaus,
der "Kathedrale der Arbeit"

 

1996

 

Die Nordwolle in Delmenhorst wird das 1. registrierte "weltweite Projekt" der Expo 2000 der Weltausstellung

 

2000

 

Auf der Nordwolle in Delmenhorst werden verschiedene Projekte im Kontext der Expo 2000 realisiert

 

 

Für die Unterstützung bei der Erstellung der Seite danken wir dem Fabrikmuseum Delmenhorst

Weitere Informationen und Bilder zur Geschichte der Nordwolle finden Sie auf den Seiten des "Arbeitskreises Fabrikmuseum".


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