Tiefe Blicke. Meisterwerke der Druckgrafik
Mit der Ausstellung "Tiefe Blicke" zeigt die Städtische Galerie Delmenhorst 130 kostbare Kupferstiche und Radierungen von deutschen, französischen, italienischen und niederländischen Künstlern des 15. bis 18. Jahrhunderts aus der Sammlung der Städtischen Galerie Karlsruhe.
Die Blätter, unter anderem von Martin Schongauer, Albrecht Dürer, Jacques Callot, Claude Lorrain, Annibale Caracci, Canaletto und Anthonis van Dyck laden dazu ein, längst vergangene Welten zu entdecken. Sie entführen motivisch in antike Mythologien, biblische Geschichten, mitten hinein in teils turbulente teils beschauliche Genredarstellungen, Tierszenen und Landschaften. Kein anderes Medium als die Grafik erlaubt eine so nahe Begegnung mit den Künstlern.
Eindrucksvoll offenbart dies zum Beispiel der nahe Blick auf Blätter von Rembrandt van Rijn, in dessen Radierungen die holländische Druckgrafik des 17. Jahrhunderts ihre reifste Ausprägung findet. Mit seiner spezifischen Behandlung von Licht und Schatten vermag Rembrandt Werke von größter Intensität und voller psychologischer Aufladung zu schaffen.
"Tiefe Blicke" präsentiert bislang nur sehr selten gezeigte Schätze aus der Sammlung des Karlsruher Juristen Ferdinand Siegel (1783-1877), dessen Sammlung 1896 als Geschenk in den Besitz der Stadt Karlsruhe gelangte. Viele Blätter sind besonders hochwertige Drucke in einem einwandfreien Erhaltungszustand und somit wird die Ausstellung auch zu einem Lehrstück über die Entstehung und Entwicklung der wesentlichen Drucktechniken. Erlesene Blätter von Martin Schongauer und Albrecht Dürer geben zum Beispiel die Möglichkeit, die Neuentwicklung des Kupferstiches und dessen Höhepunkt um 1500 studieren. Beginnend mit dem Augsburger Daniel Hopfer (1470-1536) geht es dann in der Ausstellung nicht zuletzt um die immensen Ausdrucksmöglichkeiten der wenig später entwickelten Radierung.
Einen speziellen Blick auf die detailreichen Grafiken wird die so genannte Remise der Städtischen Galerie Delmenhorst eröffnen: In einer eigens konzipierten Studiensituation werden dort ausgewählte Werke tiefer gehängt: auf die Augenhöhe von Kindern, auf eine Höhe, die es Erwachsenen, vor allem auch gehbehinderten Menschen, erlaubt, die Werke im Sitzen zu betrachten. Außerdem bietet die Städtische Galerie Delmenhorst in der Remise eine Grafikvorlage. Druckgrafische Werke aus der eigenen Sammlung des Hauses werden Einzelbesuchern und Gruppen auf Anfrage vorgelegt. Dabei wird eindrucksvoll anschaulich, dass die Kunst auf Papier auch heute nichts an Aktualität und Ausdruckskraft eingebüßt hat, im Gegenteil: Mit neuen druckgrafischen Techniken wie Lithografie und Farbradierung werden bestimmte Motive der älteren Stiche unter veränderten Vorzeichen wieder aufgegriffen.
Künstler der Ausstellung: Heinrich Aldegrever, Albrecht Altdorfer, Jost Amman, Johann Friedrich Bause, Cornelis Bega, Sebald Beham, Jacques Callot, Agostino Carracci, Annibale Carracci, Lucas Cranach d. Ä., Albrecht Dürer, Karel Dujardin, Cornelis Dusart, Anthonis van Dyck, Etienne Fiquet, Jan Fyt, Jacob Gole, Hendrick Goltzius, Wenzel Hollar, Daniel Hopfer, Lucas van Leyden, Claude Lorrain, Meister mit dem Würfel, Adrian van Ostade, Georg Pencz, Giovanni Battista Piranesi, Paulus Potter, Rembrandt Harmensz van Rijn, Johann Elias Ridinger, Jacob van Ruisdael, Herman Saftleven, Georg Friedrich Schmidt, Martin Schongauer, Dirck Stoop, Giovanni Domenico Tiepolo, Jonas Umbach, Adriaen van de Velde, Cornelis Visscher, Lucas Vorsterman d. Ä., Johann Georg Wille In der Grafikvorlage unter anderem Blätter von Emile Bernard, Heinrich Campendonk, Paul Cézanne, Robert Delaunay, Lyonel Feininger, Paul Klee, Oskar Kokoschka, Franz Marc und Fritz Stuckenberg.
Die Ausstellung wird von der Stiftung Niedersachsen und der Oldenburgischen Landschaft unterstützt. Eine Publikation zu Albrecht Dürers Kupferstich "Das Meerwunder" erscheint.
13. Februar 2012 - Städtische Galerie Delmenhorst


