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Pressemitteilung - 1. November 2017

Marode Gebäude „Am Wollepark“ 11 und 12 verriegelt

Die Häuser an der Straße „Am Wollepark“ 11 und 12 werden an diesem Mittwoch, 1. November, verschlossen. Zuvor kontrolliert die Stadt Delmenhorst den Leerstand in den 80 Wohnungen. Wegen schwerer baulicher Mängel besteht für beide Gebäude eine Räumungsverfügung zum 1. des Monats. Die Häuser widersprechen dem öffentlichen Baurecht und sind inzwischen praktisch unbewohnt.

Bereits bis zum Mittag war das marode Gebäude „Am Wollepark“ 12 verriegelt. Menschen wurden dort nicht mehr angetroffen. Handwerker tauschten die Schlösser an den Eingangstüren aus. Bis in den Nachmittag hinein prüfen städtische Mitarbeiter, ob auch alle ehemaligen Bewohner die Wohnungen in der Hausnummer 11 verlassen haben.

„Wir haben es in den letzten Monaten geschafft, dass die Häuser heute leer sind“, sagte Oberbürgermeister Axel Jahnz gegenüber den Medienvertretern vor Ort erleichtert. „Wir hatten keine andere Wahl, als die Unbewohnbarkeit durchzusetzen, und haben den richtigen Weg eingeschlagen.“

Im Laufe des Sommers hat die Stadtverwaltung etliche bauliche Mängel identifiziert, die ein sicheres Wohnen – vor allem in Erwartung der kälteren Jahreszeit – nicht mehr möglich machen. In den Gebäuden sind keine sicheren Rettungswege mehr vorhanden, und außerhalb sind weder Feuerwehrzufahrt noch Feuerwehraufstellflächen nutzbar. Dazu haben etliche Wohnungen keinen Strom mehr. Zum Schutz der Bewohner hat die Stadt die Wohnungen in den Gebäuden „Am Wollepark“ 11 und 12 für unbewohnbar erklären müssen.

Die Stadtverwaltung hat Anfang Juli eine Brandwache zur Abwehr weiterer Gefahren eingesetzt. Sie wird abgezogen, sobald der Leerstand festgestellt wird. Bis dahin hat die Stadt 10.000 Euro pro Woche für die rund um die Uhr erbrachte Dienstleistung bezahlt – Kosten, die von den Eigentümern zu begleichen sind. Die Brandwache ist der alleinige Grund dafür, dass die Häuser überhaupt noch so lange bewohnt werden durften.

In einem Anhörungsverfahren hatten alle Wohnungseigentümer und Bewohner Mitte September noch einmal die Gelegenheit, sich zur Zukunft der Häuser zu äußern. Die verantwortlichen Wohnungseigentümer haben jedoch keine Perspektiven aufgezeigt, wie die schweren baulichen Mängel behoben werden können. Da sie offensichtlich nicht in der Lage sind, für angemessene Wohn- und Lebensverhältnisse in den Gebäuden zu sorgen, ist die Stadt zum Handeln gezwungen.

Auch weiterhin bieten die Verwaltung, die Diakonie, das Quartiersmanagement sowie das Nachbarschaftsbüro Wollepark verbliebenen und offiziell gemeldeten Bewohnern Hilfe und Unterstützung an. In einer Notunterkunft sind derzeit 28 Menschen untergebracht. Insgesamt haben das von der Stadtverwaltung angebotene Ausweichquartier bislang 59 Personen genutzt. Einige haben sich mittlerweile selbst eine neue Bleibe gesucht, andere haben offenbar die Stadt Delmenhorst verlassen.

„Alle meine Leute haben gute Arbeit geleistet. Ich möchte aber auch die gute Zusammenarbeit mit der Polizei, dem Zollamt sowie Stadtwerken und EWE betonen“, sagte Jahnz. „Dazu auch ein großes und dickes Dankeschön an das Diakonische Werk.“

Ende April hatte die StadtWerkegruppe Delmenhorst knapp 350 Menschen das Gas und Mitte Mai auch das Wasser abgestellt. Grund waren Außenstände für die Nebenkosten in Höhe von 130.000 Euro. Zwischenzeitlich betrugen die Schulden sogar rund 180.000 Euro, weil auch die Abwassergebühren nicht an die Stadt bezahlt wurden.

Die 80 Wohnungen in den beiden Gebäuden gehören rund 50 Eigentümern, die teilweise nur schwer ausfindig zu machen sind, weil sie ihre Namen geändert haben oder ins Ausland verzogen sind. Eine Hausverwaltung gibt es nach mehrwöchiger Unterbrechung erst wieder seit Mitte September. Sie ist für die Gebäude verantwortlich.

Damit die Häuser überhaupt wieder dem Baurecht entsprechen, müssten die Eigentümer beziehungsweise die Hausverwaltung sie so herrichten, dass alle schweren baulichen Mängel beseitigt und die Wohnungen dadurch wieder bewohnbar wären.

Grundsätzlich hat die Stadt ihr Interesse am Ankauf der beiden Bauten bekundet – nicht jedoch am Ankauf einzelner Wohnungen. Ergebnis einer entsprechenden Eigentümerbefragung war jedoch, dass der Gesamtankauf zurzeit nicht möglich erscheint.

Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass sich die Gebäude „Am Wollepark“ 11 und 12 nicht mit einem wirtschaftlich vernünftigen Aufwand sanieren lassen. Daher würde die Stadtverwaltung grundsätzlich den Abbruch der beiden Häuser begrüßen. Aufgrund der Eigentumsrechte ist derzeit aber nicht absehbar, ob und gegebenenfalls wann dies erreicht werden kann.

Durch den Abriss der maroden Häuser „Am Wollepark“ 1-5 – direkt gegenüber den Gebäuden „Am Wollepark“ 11 und 12 – ergeben sich schon jetzt neue Möglichkeiten und Perspektiven für das Quartier Wollepark (insgesamt 45.000 Quadratmeter groß). Der vor wenigen Wochen eingeweihte große Spielplatz ist ebenso ein Zeichen für ein neues attraktives Wohnumfeld.

Die Wohnqualität soll auch weiterhin nachhaltig verbessert werden. Das bedeutet auch, dass unter anderem neue und stadtraumverträgliche Wohngebäude errichtet werden sollen. Eine Erörterung in den politischen Gremien wird dazu in den kommenden Monaten angestrebt.

Chronik zu den Häusern „Am Wollepark“ 11 und 12:
- 2015 begleicht die Stadt anstelle der zahlungsunwilligen Eigentümer rund 80.000 Euro ausstehende Gas- und Wassergebühren für die Gebäude „Am Wollepark“ 11 und 12 an die Stadtwerke. Damit verhindert sie Sperren für die Bewohner. Bis heute hat die Stadt nicht mehr als ein Drittel dieser vorgeschossenen Summe von den Eigentümern erstattet bekommen.
- Am 4. April 2017 stellt die StadtWerkegruppe das Wasser ab – wegen erneut aufgelaufener Schulden in Höhe von rund 130.000 Euro.
- Am 5. April erwirkt der Hausverwalter Mehmet E. vor dem Landgericht eine einstweilige Anordnung gegen die Wassersperre, weil die StadtWerkegruppe eine Frist nicht eingehalten hat. Er versichert, das Geld werde nachgezahlt.
- Am 27. April stellt die StadtWerkegruppe das Gas in den Häusern „Am Wollepark“ 11 und 12 ab.
- Am 4. Mai stellt das Landgericht Oldenburg fest, dass keine Zahlung eingegangen ist und die StadtWerkegruppe die Wassersperre nun fristgerecht angedroht hat.
- Am 15. Mai vollzieht die StadtWerkegruppe die erneute Wassersperre.
- Am 3. Juli setzt die Stadt eine Brandwache ein.
- Am 11. September beginnt die Stadt ein Anhörungsverfahren mit den Eigentümern und Bewohnern der Immobilien. Aufgrund schwerer baulicher Mängel droht die Unbewohnbarkeit.
- Am 22. September endet die Anhörungsfrist ohne erkennbare Perspektiven zur Beseitigung der Missstände.
- Am 2. Oktober erklärt die Bauordnungsbehörde der Stadt Delmenhorst die Gebäude „Am Wollepark“ 11 und 12 mit Wirkung zum 1. November (Abzug der Brandwache) für unbewohnbar.
- Von Beginn der Sperrungen bis zum letzten Tag hat der Allgemeine Soziale Dienst der Stadt Delmenhorst täglich die Situation in den Häusern „Am Wollepark“ 11 und 12 beobachtet, Gespräche mit Bewohnern geführt, Hilfe angeboten und insbesondere Familien mit Kindern intensiv betreut und unterstützt.
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Die Hochhaus-Siedlung Wollepark wurde ab Ende der 1960er-Jahre als soziales Quartier auf einem Areal von 45 Hektar errichtet. In mehreren Abschnitten entstanden für rund 120 Millionen D-Mark insgesamt 1.400 Wohnungen. Im Jahr 1996 übernahm die Hamburger Jürgens KG mehr als 1.000 Wohnungen von der Deutschen BauBeCon, wie die Wohnungsbaugesellschaft „Neue Heimat“ seit 1993 hieß. Doch schon 1999 musste die Jürgens KG Insolvenz beantragen. Erste Zwangsversteigerungen der Objekte begannen 2001.

Bereits im Jahr 2000 hat die Stadt das „Sanierungsgebiet Wollepark“ förmlich festgelegt. Seit 2013 erhöhte sie den Druck, um eine Aufwertung des Quartiers zu erreichen, unter anderem auch durch den Abbruch maroder Gebäude. Mitte 2015 ersteigerte die Stadt die Immobilien „Am Wollepark“ 1-5 und ein Parkdeck für rund 625.000 Euro. Der Abriss dieser Bauten – direkt gegenüber den Gebäuden „Am Wollepark“ 11 und 12 – steht unmittelbar vor dem Abschluss.


Nr. 563/17 - tif