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Pressemitteilung - 31. Juli 2017

Spurensuche mit einem alten Foto

Die Stadtverwaltung bittet die Bürger um Mithilfe auf der Suche nach Spuren einer im Zweiten Weltkrieg verschollenen jungen Frau. Anlass ist das Schreiben eines Mannes aus der weißrussischen Hauptstadt Minsk.

Nach seiner Darstellung gibt es Anhaltspunkte dafür, dass seine Tante in Delmenhorst als Zwangsarbeiterin eingesetzt war. Nachforschungen im Standesamt, im Stadtarchiv sowie in Unterlagen des Nordwestdeutschen Museum für IndustrieKultur blieben allerdings erfolglos. Deshalb veröffentlicht die Stadtverwaltung nun ein Foto in der Hoffnung, dass es bei Zeitzeugen Erinnerungen wecken könnte.

Anna Iosifovna Tichonova wurde 1925 geboren und wuchs in Schejskij (heute Bezirk Krupki) im Gebiet Minsk in der damaligen Weißrussischen Sozialistischen Sowjetrepublik auf. Nach Angaben des Neffen wurde seine Tante im Sommer 1942 zusammen mit weiteren Bewohnern ihres Dorfs zur Arbeit nach Deutschland verschleppt. „Während des Krieges hat ein deutscher Soldat meiner Großmutter einen Brief und ein Foto ihrer Tochter, aufgenommen in Deutschland, überbracht“, schreibt der Mann. „Aber nach dem Krieg kehrte sie nicht nach Hause zurück.“

Über ihren Verbleib während des Krieges hat der Neffe offenbar unterschiedliche Informationen erhalten – und eine der Spuren führt nach Delmenhorst. Demnach war Anna Iosifovna Tichonova am selben Ort eingesetzt wie ihre Nachbarin Sofia Petrovna Ksensova (die den Krieg überlebte und später durch Heirat den Nachnamen Morosova annahm). Diese Frau wiederum habe 1990 in einem Fragebogen der Menschenrechtsorganisation „Memorial“ angegeben, dass sie während des Krieges in Delmenhorst in einer Wollfabrik gearbeitet habe. Die Zeitzeugin ist allerdings mittlerweile gestorben, sodass der Neffe sie nicht mehr nach dem Schicksal seiner Tante befragen konnte. Doch hofft er nun, dass sich irgendjemand vielleicht noch an Anna Iosifovna Tichonova selbst oder zumindest an die Nachbarin erinnern kann.

Hinweise zu dem Fall nimmt die Stadtverwaltung unter der Telefonnummer (04221) 99-2021 oder per E-Mail an pressedelmenhorstde entgegen und leitet sie an den Neffen weiter.


Nr. 363/17 - tif